Dirk Lenz schafft als Mitgründer von Good24 Versicherungen mit gesellschaftlichem Impact.

DIRK LENZ: MITGRÜNDER DES SOZIALEN VERSICHERUNGSMAKLERS GOOD24

Bei uns erzielen Versicherungen einen gesellschaftlichen Mehrwert.“

Mode und Versicherungen haben manches gemeinsam. In beiden Branchen bestimmen große Player den Takt, erzielen enorme Umsätze, arbeiten mit Emotionen und Versprechen. Doch im Reality-Check passen ihre Produkte häufig nicht. Weder zu den fein verpackten Werbebotschaften noch zum Lebensstil vieler Menschen. Das Start-up Good24 erfindet Versicherungen nicht neu, verändert jedoch die Handlungsmöglichkeiten durch sozialen Impact. 100 % der Gewinne investiert Good24 in Projekte, die gesellschaftliche Zukunft fördern. Dirk Lenz ist Head of Finance and Operation und gemeinsam mit Christian Will Gründer von Good24.

Dirk, mit 57 Lebensjahren bist Du nicht der typische Start-up-Entrepreneur. Weshalb tauscht Du nach über 30 Jahren als klassischer Versicherungsmakler nun Komfort gegen Risiko?

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zunächst einmal ist es die Wahrnehmung von Versicherungen und uns Maklern. In der Beliebtheitsskala der meisten Menschen nehmen wir ganz sicher keinen Spitzenplatz ein. Im Gegenteil. Und das ist etwas, was mich schon lange stört: Die Wahrnehmung der Branche, viele Abläufe innerhalb der Branche und gleichzeitig die Tatsache, dass eigentlich jeder Mensch Versicherungen als begleitenden Teil seines Lebens in Anspruch nimmt. Ich glaube, da kann man mehr für alle erreichen. Der zweite Aspekt ist, dass ich sehr gerne mit Menschen zusammenarbeite, Wissen und Erfahrung weitergebe und mich ebenso gerne inspirieren lasse. Jeden Tag habe ich es ja nicht nur mit Versicherungsnummern zu tun, sondern mit Menschen, die mich zwangsläufig an sehr persönlichen Dingen teilhaben lassen. Ob bei einem Versicherungsfall oder bei der Lebensplanung, die durch Versicherungsbausteine begleitet wird. Man redet gemeinsam über Themen, die man sonst eher nur mit Partnern, Freunden und Familie teilt. Da waren und sind viele Begegnungen sehr prägend. Ich erlebe beruflich und privat, dass unsere gesellschaftlichen Systeme nicht richtig funktionieren. Ich spreche mit Menschen, die sich in krassen Situationen befinden, denen nicht geholfen werden konnte oder kann. Das beschäftigt mich heute genauso wie schon vor 15 Jahren. Und die Gedanken über unsere gemeinsame Zukunft, was wir aus der Umgebung, in der wir leben, aus unserer Welt, machen wollen, die sind ganz sicher nicht weniger geworden. Es gab in den vielen Jahren immer wieder die Idee, ein sozialer Versicherungsmakler zu sein, der durch so etwas Alltägliches wie Versicherungen einiges verändern kann. Denn eine Versicherung ist ein Gut, über das viele Menschen verfügen, das aber nicht so sinnvoll eingesetzt wird, wie es möglich wäre. Das bildet die Grundlage für Good24. Als Makler erhalte ich bei jedem Versicherungsabschluss eine entsprechende Provision und kann selbst entscheiden, was ich mit diesem Betrag tue. Und wie jeder Unternehmer habe ich selbst in der Hand, wofür ich meinen Gewinn verwende. Spannend finde ich es, wenn ich gemeinsam mit anderen Menschen entscheiden kann, ob man dieses Geld nicht in Projekte investiert, die einen Mehrwert für die Gesellschaft haben. Es ist eigentlich eine recht simple Formel, die nur umgesetzt werden muss. Ich bin absolut überzeugt, dass das für alle Beteiligten nur Vorteile bringt und auch unternehmerisch funktioniert. Als ich vor vielen Jahren schon darüber nachdachte, fehlten vor allem zwei Dinge: Damals waren Maklervollmachten umständliche Vorgänge mit vielen Seiten Papier. Das lösen wir heute deutlich unkomplizierter digital. Und es gab noch nicht so viele Menschen, die die Philosophie eines sozialen Unternehmens unterstützten. Das ist heute zum Glück anders.

Und wie wird aus dieser Philosophie ein wirtschaftlich tragfähiges Unternehmen?

Christian und ich haben schon lange über die Verbindung von wirtschaftlichem und sozialem Gewinn nachgedacht. Ein Unternehmen, das erfolgreich Versicherungen vermittelt, durch eine transparente Beratung und Betreuung überzeugt und Menschen gleichzeitig zu aktiven Gesellschaftsförderern macht. Denn in Versicherungen steckt außerordentlich viel Potenzial. Es existieren fast 446 Millionen Verträge, mit denen allein die deutschen Versicherer private und betriebliche Risiken abdecken. Die Summe der Versicherungsbeiträge nimmt stetig zu, 2019 betrug sie im Bereich aller Versicherungsarten über 217 Milliarden Euro. Allein bei der Schaden- und Unfallversicherung lagen die Beiträge bei 73 Milliarden Euro. Bei fast jedem Vertrag erhalten wir als Makler von den allermeisten Versicherungen eine entsprechende Courtage. Allein diese ergeben eine enorme Summe: Rund 16,7 Milliarden Euro für Abschluss und Betreuung sind es insgesamt in Deutschland pro Jahr. Natürlich haben wir fixe Kosten und unsere Mitarbeiter möchten auch bezahlt werden. Doch Christian und ich haben zusammen über 50 Jahre Erfahrung in der Versicherungsbranche und wissen, welche Gewinne am Ende übrigbleiben, wenn man vernünftig und nachhaltig arbeitet. Als Unternehmer bin ich da also sehr optimistisch. Doch ebenso sehe ich, dass es einiges an Problemen in unserer Gesellschaft gibt, die man verändern sollte und auch verändern kann. Dafür nehmen wir unseren Gewinn, also den Betrag, der übrig ist und wo man sich fragt, wofür man ihn einsetzen möchte. Für Christian und mich war klar, dass wir den Unternehmensgewinn zu 100 % weitergeben möchten. Nicht als Alleinentscheider. Wir möchten gerne alle daran beteiligen, die bei Good24 eine oder mehrere Versicherungen haben, die ihre bestehenden Verträge zu uns übertragen oder neue Verträge abschließen. Für jede Versicherung gibt es bei uns GoodCents, die einem jeweiligen Gegenwert in Euro entsprechen. Gleichzeitig stellen wir Projekte vor, die man mit den GoodCents individuell unterstützen kann. Der monetäre Wert der jeweiligen GoodCents geht dann an das ausgewählte Projekt. Dies entfaltet eine direkte Wirkung und fördert zusätzlich das Interesse an dem, was die Projekte leisten. Für die Versicherten bei Good24 entstehen bei diesem Prinzip keine Zusatzkosten. Wir geben den Gewinn weiter und lassen entscheiden, wo er wirken soll.

Das heißt, Good24 schafft einen Mehrwert aus meiner Versicherung, ohne zusätzliche Kosten zu generieren?

Ja, Versicherungen arbeiten bei uns neben ihrem eigentlichen Zweck als Risikoabsicherung auch als nachhaltige Werkzeuge. Wir verzichten auf den kompletten Gewinn und einen Teil davon geben wir sofort als GoodCents an unsere Kunden weiter und machen sichtbar, mit welchem Betrag man durch die eigene vorhandene Versicherung gute Ideen und Projekte unterstützen kann. Da gibt es keine Extrakosten für unsere Kunden, weder offen noch versteckt. Wir sind ein Versicherungsmakler, der digital und persönlich berät, vergleicht und passende Lösungen anbietet. Wir arbeiten mit und für Privatpersonen und Unternehmen und haben aufgrund unserer Expertise viele Möglichkeiten, sehr passende Angebote unterbreiten zu können. Ich finde es übrigens ziemlich wichtig, dass man Versicherungen anbietet, die tatsächlich gebraucht werden. Es bringt nichts, Studierenden ganze Pakete zu verkaufen, wenn noch gar nicht klar ist, wohin man sich im Leben bewegt oder älteren Menschen Versicherungen verkauft, die zwar viel Leistung versprechen, aber irgendwann kaum noch bezahlbar sind. Und ich freue mich, wenn Unternehmen sich bei uns versichern und ihre Mitarbeiter miterleben können, welcher zusätzliche gesellschaftliche Impact durch GoodCents generiert werden kann. Das ist eine sehr direkte Form der CSR (Unternehmerische gesellschaftliche Verantwortung). Und all das gehört dazu, wenn wir sagen, dass bei uns Versicherungen einen gesellschaftlichen Mehrwert erzielen. Ich möchte, dass man gerne bei uns Kunde ist und unseren Weg lange begleitet. Auch das hat viel damit zu tun, was ich in vielen Jahren als Makler schon erlebt habe. Ich möchte keine Dinge versprechen, die ich nicht halten kann. Beruflich und privat begegne ich sehr vielen Menschen, höre gerne zu, lerne gerne und bin ein ziemlich zielorientierter Problemlöser. Das steckt auch in Good24 drin. Ein Versicherungsmakler, der sozial ist.

Der aber durchaus auch noch für finanzielle Unterstützung durch Investoren offen ist.

Das ist richtig. Unsere bisherige Maklerstruktur haben wir komplett in Good24 gesteckt. Es gibt keinen doppelten Boden, kein Zurück mehr, nur die Richtung nach vorn. Wir sind wirkliche Überzeugungsgründer. Um jetzt den nächsten großen Schritt zu machen, sind wir offen für Investoren. Es geht um die Anschubfinanzierung über einen überschaubaren Zeitraums. Das hat einen simplen Grund: Die Betreuungscourtagen erhalten wir nicht sofort, sondern teilweise mit einem Zeitversatz von bis zu einem Jahr nach Übertragung. Dennoch möchten wir sofort das Prinzip von Good24 mit den GoodCents wirken lassen. Und da wir davon ausgehen, sehr viele Menschen von uns überzeugen zu können, ist natürlich auch ein entsprechender Finanzbedarf da. Allerdings geht es uns nicht um Investoren, die auf einen schnellen Exit setzen, sondern über einen vereinbarten Zeitraum tatsächlich dabei bleiben. Dafür bieten wir einen Zins von 5 %, bei einem Earlybird-Einstieg sogar 6 %. Das dürfte aktuell nicht uninteressant sein. Wir haben außerdem eine Obergrenze von 25.000 Euro pro Investor gesetzt. Einsteigen kann man auch schon mit 100 Euro. Denn auch hier freuen wir uns über ein möglichst breites Spektrum von Menschen, die den Good24-Weg mitgehen möchten.

Wie wollt ihr den Bestand an Versicherten erhöhen, um auch eine entsprechend hohe soziale Wirkung zu erzielen?

Natürlich haben wir über die Jahre schon recht viele Kontakte aufgebaut, haben zahlreiche Menschen und Unternehmen, die uns schon lange vertrauen. Dennoch haben wir uns ein höheres Ziel gesetzt: Wir möchten sehr viele Menschen von uns und dem was wir tun überzeugen. Natürlich setzen wir auf gutes Marketing und Menschen, die uns an andere weiterempfehlen. Zusätzlich laden wir auch Maklerkollegen ein, deren Bestand wir übernehmen dürfen. Denn viele Makler haben keinen Nachfolger oder erhalten Angebote, die nicht wirklich angemessen sind. Denn auch diese Kolleg:innen möchten, dass ihre Versicherten weiter in guten Händen sind und wünschen sich gleichzeitig aber auch einen angemessenen Ertrag für die geleistete, gute Arbeit. Darüber hinaus hoffen wir natürlich, möglichst viele Kolleg:innen mit der Good24-Story zu begeistern. Da werden wir ein Modell anbieten, in dem unter anderem auch eine interessante Altersversorgung integriert ist.

Was für Projekte sind es, die Good24 unterstützt?

Ich glaube, dass die Projekte, die wir mit Good24 unterstützen, sehr gute Botschafter für uns sind und wir als sozialer Versicherungsmakler wahrgenommen werden, der etwas bewirkt, was man auch selbst erleben kann. Wir fangen mit Projekten und Initiativen an, die in Deutschland wirken oder ins Leben gerufen wurden. Dabei geht es um Teilhabe. Wenn ich mit meiner Versicherung eine gemeinnützige Idee in meiner Nähe unterstützen kann, interessiere ich mich dafür, schaue es mir selbst an, werde inspiriert oder beteilige mich. Aktuell fördern wir den Verein Tausche Bildung für Wohnen, der in benachteiligten Stadtteilen wie Duisburg-Marxloh oder Gelsenkirchen-Ückendorf mietfreies Wohnen für junge Menschen anbietet, die sich dafür als Bildungspaten für Kinder engagieren. Außerdem Reflecta Network, ein digitales Netzwerk für Zukunftsgestalter:innen und Social Entrepreneure, die sich an die Fragen unserer Zeit wagen sowie die in Hamburg gegründete Initiative Viva con Agua, die weltweit Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglicht.

Werden weitere Projekte hinzukommen?

Definitiv. Und wir freuen uns, wenn wir Vorschläge bekommen. Von den Menschen, die uns ihre Versicherungen anvertrauen und allen anderen, die noch nicht bei uns sind. Die Projekte werden kuratiert. Das machen wir aber nicht alleine, sondern haben uns dafür ausgewiesene Expert:innen mit an Bord geholt, etwa vom großartigen Netzwerk Ashoka oder der Bildungsinitiative Die Zukunftsbauer. Wir arbeiten wahnsinnig gerne zusammen. Als Gründer haben Christian und ich sehr viel Ahnung von unserem Business. Aber soziales Unternehmertum war neu für uns. Das lernen wir gerade und werden fantastisch unterstützt. Daraus entstand übrigens auch die Zusammenarbeit mit Jens Konrad. Er ist Teil der jüngeren Generation, Zukunftsforscher, Sozialunternehmer und bei Good24 als Head of Social Impact tätig. Wir tun uns gegenseitig gut. Da treffen viel Erfahrung und Vision aufeinander. Dieses Tauschprinzip, das auf mehrfache Weise gewinnbringend ist, begeistert mich und es war ein wichtiger Impuls dafür, Good24 zu gründen.

Wie haltet ihr es selbst mit der Zukunft? Ihr habt ein soziales Unternehmen gegründet, das nicht nur lange bestehen, sondern auch nachhaltig die Sicht auf Versicherungen verändern soll. Wie lange bleibt ihr als Gründer dabei?

Ich habe einmal gesagt: Mein Ziel ist es, dass irgendwann die Menschen GoodCents statt Payback-Punkte sammeln. Denn ich glaube, dass es genug Themen gibt, die noch lange nicht gelöst sind. Ich finde es nachvollziehbar, dass viele Anbieter versuchen, durch Payback und andere Bonus-Programme Menschen für ihre Produkte zu gewinnen. Ich möchte, dass wir viele Menschen dafür gewinnen, mit ihrer Versicherung einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten, in der sie leben und einen guten Zweck unterstützen. Und ich glaube, das gelingt uns gemeinsam. Christian und ich wir werden Good24 also noch eine lange Zeit begleiten. Aber es ist auch ein Projekt, das wir vom ersten Tag an so geplant haben, dass es immer weitergeht. Im Zweifel auch ohne uns. Wir haben junge Partner mit an Bord, junge Menschen, die jetzt schon viel bewegen und noch viel bewegen werden. Good24 und seine Idee soll vererbbar sein. Da sind wir als Gründer absolut uneitel.

Mit Dirk Lenz sprach Paul Heilig.

Text: © Impact Funding — Foto: © Good24

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